Warum ich in die SPD eintrete

Jetzt bin ich also in die SPD eingetreten und es gibt viele Leute die sich und mich fragen, warum ich mir das antue. Und ich muss zugeben, das ist eine sehr gute Frage, schließlich war ich auch lange bei den Piraten und habe in vielen Wahlkämpfen wenig Gutes über die SPD erzählt. In der Tat ist auch jetzt keine Lobhudelei zu erwarten, schließlich hat die SPD in den letzten 21 Jahren, seit ich wählen darf, für sehr viel Enttäuschung gesorgt und viel verbockt und es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht irgendwo eine blöde Aussage von einem SPDler irgendwo lese. Aber…

Jede Partei äußert jeden Tag irgendeinen Stumpfsinn. Wenn ich eine Partei möchte, die 100% meiner Meinung ist, dann wäre das die Stefan Groß Partei. Allerdings wäre das eine ziemliche Splitterpartei und nützt niemanden. Wenn ich mir die größeren Parteien anschaue, kann ich im Grunde alle ausschließen. Die blauen Hitlerfreunde, die zurück ins Jahr 1933 wollen fallen logischerweise genauso weg wie die schwarzen Spinner, die gerne 1950 wieder hätten. Die Zeit läuft nie rückwärts und früher war nicht alles besser.

Dann gibt es die gelbe Robin Hood im Paralleluniversum Partei, die das Geld der Armen nehmen möchte um es den Reichen zu geben, die dunkelroten realitätsfremden Wirrköpfe, die nur Opposition machen möchten, die bürgerlichen Grünen, die absolut alles verraten haben, wofür sie je standen, Hauptsache mal an der Macht gewesen. Und dann noch die anderen Roten, die vielleicht größte Enttäuschung der letzten 20 Jahre.

Eigentlich kann ich damit alles ausschließen, aber davon ändert sich nichts. Also schaue ich nach positiven Dingen. So sehr ich mich auch bemühe, ich kann und werde nichts positives über die AfD, über die Union und über die FDP sagen, für mich ist ganz klar, diese Parteien richten Schaden an.

Bei den Linken hab ich durchaus programmatische Symphathien auf kommunaler und Landesebene, aber mich interessiert nun mal primär Bundespolitik. Aus reiner Wählersicht ist mir das als Protestwahl jedoch deutlich lieber als die Hitlerfreunde der AfD.

Auch die Grünen haben durchaus interessante Programmpunkte, die für mich jedoch nicht essentiell sind, sondern nur hübsches Beiwerk zu den wirklich wichtigen Dingen. Meine ganz subjektive Sicht ist, dass mir in den bisherigen Wahlkämpfen die Grünenwähler immer am negativsten aufgefallen sind, hochgradig arrogant, besserwisserisch und davon überzeugt, anderen zu sagen, wie sie zu leben haben. Davon halte ich mich gerne fern.

Bei der SPD sagt mir das Programm noch am ehesten zu, und wenn ich mich mit Leuten der Basis unterhalte, dann gibt es sicherlich die größten Übereinstimmungen. Leider ist dann das, was die Führungsspitze abliefert, oft weit entfernt vom Basiswillen. Und das wird auch weiterhin so sein.

Jetzt kann ich den Kopf in den Sand stecken und alle 4 Jahre „mit Bauchschmerzen“ mein Kreuzchen irgendwo machen, oder ich werde aktiv. Die SPD konnte mich nur so oft enttäuschen, weil ich so viele Hoffnungen in sie gesetzt habe. Und auch wenn ich nur eins von rund 450.000 Rädchen bin, ich versuche meinen Teil beizutragen, die Welt ein kleines Stückchen besser werden zu lassen. Perfekt wird es nie werden und das muss es auch nicht, aber vom meckern allein ändert sich eben auch nichts. Und schließlich gibt es ja auch viel positives von und in der SPD, aber davon blogge ich das nächste mal.

Für euch bedeutet das, mault mich nicht an für die Verfehlungen der SPD, ich tue was ich kann. Geht selbst in die SPD. Oder wenn euch Grüne oder Linke eher zusagen, dann geht dorthin. Aber mault nicht rum wie schlecht alles ist und wählt auf gar keinen Fall rechts!

 

*** UPDATE ***

Einigen Leuten reicht nicht, was ich geschrieben habe und ich wurde gebeten, doch noch etwas spezieller auf meine Gründe einzugehen. Es gibt mehrere Themen, die mich mehr interessieren als andere, vor allem der Haushalt, die Innen- und die Gesundheitspolitik. Mit Geld lässt sich viel verbessern und steuern, aber Geld muss man auc h erst mal haben. Wo überall Geld verschleudert wird hört ihr oft in den Medien, aber wusstet ihr, dass der ganze Gesundheitsbereich über 200 Milliarden Euro stark ist? Und trotzdem assoziiert man das Gesundheitswesen ständig mit Pflegenotstand, Ärztemangel auf dem Land und vielen anderen negativen Dingen, dafür gibts aber auch überteuerte Medikamente und unnötige Ausgaben. Ich bin bei weitem kein Experte in diesem Bereich, geschweige denn auch nur annähernd Ahnung zu haben, wenn ich mir jedoch anhöre, was die diversen Gesundheitspolitiker zu sagen haben, dann erscheint mir Karl Lauterbach von der SPD mit Abstand am sinnvollsten. Zum Vergleich, die Grünen in NRW haben eine Ministerin für Hokuspokus und Quacksalberei installiert. Mir ist Gesundheit zu wichtig, um es Wirrköpfen zu überlassen.

Zum Haushalt generell ist zu sagen, dass der Staat im großen und ganzen mehr ausgeben muss als bisher. Schäuble hat zwar nicht ganz unrecht mit der schwarzen Null, aber wer mehr ausgeben will, der muss dann eben auch mehr einnehmen und da wehrt sich die CDU ja vehement, warum auch immer. Es gibt mehr als genug Möglichkeiten von Mehreinnahmen, die den Großteil der Bürger nicht betreffen und dem betroffenen Teil auch nicht weh tun. Ein Haushalt mit deutlichen, aber maßvollen Änderungen unter einer SPD-Führung halte ich für sehr sinnvoll.

Sigmar Gabriel ist für mich zwar nicht wirklich ein Grund zum Eintritt, jedoch kann ich die Frage „Darf ein Politiker andere als Pack bezeichnen und den Stinkefinger zeigen?“ eindeutig mit ja beantworten. Pack ist nun mal Pack und es kommt leider nicht so häufig vor, dass ein Spitzenpolitiker Haltung zeigt. Und auch wenn es sicherlich viele Kritikpunkte gibt scheut er sich nicht davor, anzuecken und seine Meinung kundzutun, und er hat auch oft genug recht mit dem, was er sagt.

Kommen wir zur Innenpolitik. Sicherlich ein Bereich, in dem man viele Kröten schlucken musste, auch von diversen SPD-Innenministern auf Landesebene. Nun, ich hoffe doch, dass durch das Versagen der Geheimdienste, all die negativen Meldungen über übergriffige Polizisten, über stark rechte Polizisten, über Reichsbürger und und und zu einem Umdenken führen. Wie Innenpolitik auf Landesebene unter Rot-Rot-Grün aussieht kann man sich übrigens von Christopher Lauer für Berlin erklären lassen.

Eben jener Christopher Lauer ist auch ein Grund einzutreten. Ich habe Christopher schon zu Piratenzeiten kennengelernt und am Anfang genau da gedacht, was auch jetzt viele sagen, nachdem er zur SPD gegangen ist: was wollen die mit dem Großmaul, der labert nur, so ein Idiot. Und irgendwann stellt man zwei Dinge fest: 1. Lauer hat (meistens) recht. 2. Lauer liefert. Für mich persönlich hab ich festgestellt, er denkt und handelt wie ich, nur besser.

Wenn er sich in etwas verbissen hat, dann kann er das dank seiner Rhetorik in der Öffentlichkeit so vehement vortragen, dass andere Meinungen kaum eine Chance haben. Was er kann sollten sie in der SPD wissen, ansonsten können sie noch mal bei Kurt Beck nachfragen, oder bei den Mitbewerbern Renate Künast oder Frank Henkel. Die eigentliche Stärke von ihm ist aber, dass er sich wirklich Gedanken um die Zukunft macht. Von Politikern ist man es gewohnt, dass sie staunend über Technikmessen laufen, dass sie in Reden Zukunft sagen, dass man ja auch an die Kinder denken soll, aber das wars dann auch. Lauer sieht Dinge und Zusammenhänge und denkt über deren gesellschaftliche Auswirkungen nach. Und zwar nicht nur was passiert übermorgen, sondern was ist in 5, in 10, in 25 Jahren. Was bedeutet die Digitalisierung und die Automatisierung für die Gesellschaft, wie gehen wir mit dem Wegfall von Arbeitsplätzen um, wie entickelt sich eine Gesellschaft bzw. welches Gesellschaftsmodell wollen wir erreichen? Alle Leute die ich kenne, die sich damit beschäftigen, machen das außerhalb von Parteien, was ich für einen riesigen Fehler halte. Durch diese Zukunftsgedanken wird die ganze zukünftige Politik gesteuert, und diesen Punkt sehe ich demnach ausschließlich bei der SPD.

Ich zumindest habe vor noch rund 50 Jahre zu leben, daher ist mir das Thema Zukunft durchaus wichtiger als das übliche politische „Hauptsache viele Stimmen bei der nächten Wahl, egal wie“. Wenn jetzt noch Fragen oder Wünsche offen sind, schreibts doch einfach in die Comments.

 

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